Marokko im Frühling

Mein Neustart Ende Februar 2026 führt nach Marokko. Wieso jetzt? Im Sommer ist es in der Wüste zu heiß, so dass sich nur die kühleren Jahreszeiten zum Reisen eignen. Und warum überhaupt? Mal schauen, ob mein Landcruiser Browny den neuen Herausforderungen gewachsen ist: die lange Anfahrt von 3000 km bis in die Sahara-Gebiete Marokkos, das neue Dachfenster regendicht, wie reagiert die Karosserie? Der Motor des HJ 60 ist mit seinen 320 000 km Fahrleistung gerade in seinem besten Alter - dieses Herz des Overlanders wird noch lange schlagen!
Der zweite Grund ist persönlicher Art : Ich möchte ausprobieren, ob mein Körper wieder fernreisetauglich ist. Es macht immer großen Spaß zu reisen, aber das Leben auf 4 Quadratmetern ist mit einigen Einschränkungen verbunden, die es mit 100% Schwerbehinderung zu meistern gilt.
Übrigens stellt das obige Porträtbild den islamischen Marco Polo dar: Ibn Battuta, der im 14. Jahrhundert von Tanger aus über 100 000 km durch die Welt reiste (später mehr).
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Zum Verständnis des Aufbaues meines Blogs:
Jedes Kapitel ist in einer anderen Farbe gehalten. Dieses beginnt in der zeitlichen Abfolge der Erlebnisse; die neusten Kapitel sind immer oben, d.h. sie sind zuerst zu finden, dann folgen die älteren Kapitel bis zum Anfang der Reise. 
Auf Tablets, Laptops und Desktops beginnen die Kapitelanfänge immer mit Bild und Text nebeneinander, auf Handys sind Bild und Text getrennt untereinander zu sehen.

Anti Atlas

Südlich des Hohen Atlas erstreckt sich von West nach Ost der über 2000 m hohe Gebirgszug des Anti-Atlas. Hier befinden sich sehr viele Offroad-Touren von „Pistenkuh“, d e m Tourenbuch für 4x4 Abenteuer. Auch die Touristenströme versanden schon vorher, ein Marokko-Liebhaber formuliert es so: Hier ist das wahre Marokko! 
Wir schreiben die letzte Woche im Februar 2026.

Agadir Id Aissa bei Amtoudi - die älteste Speicherburg Marokkos

Die Strecke auf der Nationalstraße 12 , parallel zum Draa-Tal und der algerischen Grenze, ist langweilig, da sie durch eine flache Stein- und Felswüste führt. Biegt man bei Icht nach Nordwesten ab, ändert sich die Aussicht: Es geht durchs Vorgebirge in die Schlucht von Amtoudi, dem Ort mit der schönsten und grandiosesten Speicherburg Marokkos. Plötzlich wird sie sichtbar - und mir verschlug es den Atem: Die Burg erhebt sich als Felsennest auf der Spitze eines Berges - uneinnehmbar für Angreifer! 
Übrigens heißt Speicherburg in der Sprache der Amazigh (Berber sollte man die einheimische Bevölkerung nicht mehr nennen) „Agadir“, wie die bekannte Stadt am Atlantik. Natürlich muss man die dreiviertel Stunde nach oben klettern, um sich die Anlage anzuschauen und um die Aussicht von oben zu genießen.

Die einspurige Straße führt hinter Amtoudi steil und kurvenreich nach Norden in Richtung von Tafraoute, dem nächsten Highlight im Anti Atlas. Jede Bergspitze könnte einen Agadir tragen, hinter jeder Kurve tut sich eine neue Perspektive auf und ich kann nur über die Kühnheit der Natur-Architektur staunen.

Frühlingsgefühle im Anti Atlas

Auf 1000 m Höhe flacht der Antiatlas plötzlich ab und eine Hochebene erstreckt sich weit bis zu den Bergen am Horizont. Dieses Tal schmückt sich in Grün und Gelb, da es in der letzten Zeit immer wieder geregnet hat.  Die sonst so lebensfeindliche Landschaft erblüht im Frühling! Wie wichtig ist der Regen für die Natur! Sieben Jahre lang soll es hier und an vielen anderen Orten in Marokko nicht geregnet haben, was man an den trostlosen Palmenstümpfen viel zu oft erkennen kann. Und dieses Jahr verwandelt sich die Wüste in einen Garten!!!

Die Granit-Wunderlandschaft um Tafraoute

Zuerst las ich nur vom Aussteiger- und Rentner Paradies Tafraoute. Na ja, das Klima ist im Winter ideal, nicht zu kalt und jeden Tag Sonne! Wer würde sich das in Deutschland, Frankreich oder Holland nicht wünschen? Einfach dem depressiv machenden November-Grau entfliehen und bis März hier überwintern! Wer ein Wohnmobil hat, kann sich diesen Wunsch erfüllen. Zumal es hier freie Stellplätze ohne Ende in den Palmenhainen gibt. 
Und jetzt sehe ich die Landschaft um Tafraoute und es wird mir schlagartig klar, dass es nicht nur das Klima ist, das die Europäer so fasziniert, sondern dass die Granitformationen hier ein einmaliges Naturspektakel bieten: Der Granit verwittert hier zu runden Formen, die wie Spielbälle aufeinander stehen. Also Wackelsteine bilden, oder Tierformen annehmen wie Kamele oder Bären - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! Wer an der Nordküste von Sardinien war, wird die gleiche Art von Verwitterung wiedererkennen. Außen bildet der Granit eine harte Schale, doch innen bleibt er weich und kann leicht ausgewaschen werden - wie am Cap d‘Orso der Riesenbär.

Mein Stellplatz für drei Nächte 

Mein Stellplatz ist drei Kilometer außerhalb von Tafraoute, versteckt hinter der ersten Reihe von Bergen mitten in einem Hain von Arganbäumen. Ein, zwei Autos verirren sich hierher, ansonsten bin ich allein mitten in dieser archaischen Landschaft - ich klettere herum und finde versteinerte Tiere, die seit der Sintflut hier stehen.

Die blauen Steine - 20000 t Farbe

An den blauen Steinen kommt man nicht vorbei, wenn manTafraoute besucht. Sie heben sich aus der sowieso schon spektakulären Landschaft durch ihre Farbigkeit heraus. Der belgische Künstler Jean Vérame hat 1985 die Steine mit 20 000 Tonnen Farbe bemalt! Dadurch schaut man noch einmal ganz anders und neu auf die Formen und Kompositionen der Natur. Was in der Steinevielfalt unterzugehen droht, wird farbig herausgeholt und kann bewusst wahrgenommen werden. Was immer auch jede*r sieht, die Sinnes-Erfahrung und -Empfindung leuchtet in ihrer Einmaligkeit auf und verleiht ihr individuellen Wert.
Auch mit Silvia werde ich eine Woche später wieder hierher kommen.

Maison traditionelle Tafraoute

Seit 400 Jahren ist dieses Haus von einer Familie der Amazirin (übersetzt „die Freien“, statt Berber) bewohnt, seit 40 Jahren ist es ein Museum. Erdgeschoss für die Tiere, im ersten Stock die Küche als Mittelpunkt des Hauses, drumherum die Schlafstätten, im zweiten Stock das große Gästezimmer, auch um zu feiern. Alles aus Lehm erbaut, die Balken aus Palmenholz.

Flagge der Freien, der Amazirin

Dieser Buchstabe aus dem Alfabeth der Sprache der Amazirin, dem Tamazight, bedeutet „Frei“, ein Symbol des Menschen. Erst im Jahr 2011 wurde die amazirische Sprache als die zweite Amtssprache in Marokko eingeführt. Es hat lange gedauert, denn über die Hälfte der Marokkaner entstammen der autochthonen Bevölkerung. Man findet die Schriftzeichen auf jedem Kilometerstein an der Straße und auf jedem Schild einer öffentlichen Einrichtung wie den Schulen. 

So sieht das Alfabeth der Amazirin-Sprachen aus: das sog. Tifinagh-Alfabeth. Es ist geometrisch und bildhaft; vor allem ganz anders als die arabische Schrift.

Schuhdesign der Amazirin-Frauen (von oben nach unten) für unverheiratete, verlobte und verheiratete Frauen.

Der Löwenkopf 

Ich habe eine Weile gebraucht, um den Kopf des Löwen in den Bergen nördlich von Tafraoute zu finden. Frühmorgens steht die Sonne noch so, dass kaum Schatten an der Felswand geworfen werden. Erst am Nachmittag tauchen die Augen, Nase und der Bart auf!

Auf zur Atlantik Küste

Nach drei Tagen verabschiede ich mich von Tafraoute und grüße noch den „Hut des Napoleon“, der wohl bekanntesten Felsformation hier ist. Danach fahre ich über die 120 km nach Westen an den Atlantik. Die Strecke ist eine einzige Schockelstrecke; man kommt aus dem Lenkraddrehen nicht raus. Ich brauche drei Stunden bis in die Silberstadt Tiznit. Die Küste ist dafür um so schöner, da südlich von Aglou die Wohneinheiten für in- und ausländische Touristen aufhören und hohe Sanddünen beginnen. Hier warte ich am Palmsonntag auf Silvia, die mit dem Flugzeug in Agadir landen wird.

Zum Erg Chegaga: 

150 km durch die Wüste

Mein erstes Wüstenabenteuer beginnt hier am 18. März 26: von M’Hamid durch die Sanddünen des Erg Chegaga nach Foum  Zguid. 150 km Offroad - ein prickelnder Nervenkitzel! Zwei Tage dauert die Tour mit einer schönen Übernachtung mittendrin. Wenn es so einfach wäre…

Mit einem Bar Reifendruck bewegen wie eine Raupenkette

Wie bei jeder Reise ist die Vorbereitung das A und O. Ich packe das Druckluftmessgerät aus, prüfe den 12 V-Kompressor für den Reifendruck und hole die Schaufel aus der Alukiste vom Dach. Normalerweise heißt es, die Hälfte des normalen Reifendrucks wäre passend. Nur hat mir bisher niemand wirklich die Werte für meine Cooper Discoverer SST Pro sagen können. Also probiere ich es mit KI - und wirklich, sie liefert perfekte Antworten: 0.8 bis 1,2 bar! Also viel weniger als gedacht; fuhr ich doch bisher mit 2,5 bar auf Asphalt.
Die Daten und Way-Points der Route lade ich auf mein Tablet, so dass ich diese auch ohne Netz auf der Karte sehen kann. Also dann mal los mit meinem 4WD im 3. „Ackergang“.

Wieder begeistern mich die organischen Formen der Sanddünen! Wie kommen sie zustande? 

Vom höchsten Gipfel aus liegt mir das Dünenmeer zu Füßen. Und ich erkenne, dass der Vergleich mit dem Meer stimmt: Jede Düne IST eine Welle! Sie ist eine stehende Welle, die sich nur viel langsamer fortbewegt. Statt aus Wassertropfen besteht die Welle aus Sandkörnern!

So sieht‘s aus, wenn der Wind auf Sand trifft: Die Sicht wird stark eingeschränkt! Die Spuren von anderen Fahrzeugen verschwinden im Nichts.

Schlechtes Wetter zieht herauf!

Wie man auf dem Bild bereits sehen kann, ziehen dunkle Wolken heran. Normalerweise sollte das in der Wüste kein Problem sein. Der Regen versickert ja schnell im Sand. Jaja… Ich fahre bei Regen weiter und alles bleibt in Ordnung; der Wind allerdings fegt den Sand so schnell über den Boden, dass die Sicht manchmal schlecht wird.  Dann sehe ich die Spuren der Route nicht mehr und fahre „blind“ nach Navigationssystem. 
Ich kann noch ein paar schöne Bilder von den Sanddünen schießen und genieße die Nacht in Ruhe und Einsamkeit. 

Am nächsten Morgen führt die Route aus der Sandwüste hinaus in das Qued Draa, also ins normalerweise trockenen Flussbett des Draa. Das aber steht jetzt nach dem Regen unter Wasser! Und der Boden besteht aus Tonschlamm! Ich versuche durchs Wasser zu fahren, merke aber sehr schnell, dass das keine gute Idee ist, da die Traktion, die Bodenhaftung, nachlässt und ich im Schlamm langsamer und langsamer werde. Hier steckenzubleiben ist keine Option! Also raus aus dem Schlamm, rein ins Gelände rundherum. Aber da sind keine Spuren von Autos. Reines Offroad-Gelände ohne Anhaltspunkte. Also auch keine Spur von Geländewagen aus Foum Szguid hierher. So kann ich nicht 10 oder 15 km weiter fahren! Die Stollen der Reifen sind mit Matsch zugesetzt, der Tonschlamm ist glitschig wie Eis! Ich drehe um! 

Es gibt immer eine Möglichkeit, sage ich mir. Es gibt im Norden eine Oase, die auf dem Schotterweg zu erreichen ist. Auf geht‘s dahin. Insgesamt 8 Stunden fahre ich am zweiten Tag durch die Felsen- und Steinwüste, durch trockene Wadis (Queds) mit zum Teil so steilen Stufen, dass der arme Browny hinten regelmäßig aufsitzt. Klar, denn durch den geringen Reifendruck habe ich noch weniger Bodenfreiheit! Ich muss durch, komme was wolle. Um 20 Uhr erreiche ich sehr erleichtert wieder Asphalt in Foum Szguid.

Leider kann ich kein Video von einer Fahrt durch den Schlamm präsentieren. Fahren und filmen - das schaffe ich nicht. Aber hinterher ist der Matsch auf dem Blech schön zu sehen!  

Im Tal ist noch das silberglänzende Flussbett des Draa zu sehen. Ich fahre erhöht im Schotter auf der sicheren Seite. 

Eid al Fitr - das Fest am Ende des Ramadan

Am nächsten Tag gibt es kein Brot zu kaufen; alle feiern das große Fest des Fastenbrechens! Niemand arbeitet heute, und auch morgen und übermorgen nicht. Drei Tage lang bleiben die Geschäfte geschlossen. Dafür sehe ich die Männer in weißen Dschellabas auf den Straßen flanieren. Die Kinder freuen sich, da sie Geschenke bekommen haben wie bei uns zu Weihnachten und die Familien besuchen sich und feiern zusammen. 

Auf dem Campingplatz Palmaire in Foum Zguid treffe ich ein deutsches Paar, mit denen ich gut über den Islam sprechen kann, da beide Religionslehrer an der Staatsschule gewesen sind. Meine Hoffnungen für einen aufgeklärten Islam beruhen auf der Hochschulausbildung für islamischen Religionsunterricht in Münster. Die kennen beide auch und haben sogar mit Dozenten aus Münster Kontakt gehabt. Es gibt aus deren Sicht mehrere Deutungsmöglichkeiten für die Auslegung des Korans! Schon das ist ein Fortschritt gegenüber den dogmatischen Formen des Islamverständnisses.

Weiterfahrt nach Südwesten

Der Sand auf der Fahrbahn kümmert mich nicht. Nach allem, was hinter mir liegt, fahre ich tiefenentspannt von Tata über Akka nach Icht. Dazwischen übernachte ich in wunderbaren Palmairen bei stimmungsvollen Sonnenuntergängen. Die Stellplätze find ich vor Ort. Mit ein bisschen Suchen ergeben sich Möglichkeiten.

Antike Felsritzungen von Ighir bei Icht

Auf Google Maps finde ich die Sehenswürdigkeit „Ancient Rock Carvings“. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz fahre ich dorthin und finde den Ort hoch über dem Dorf Ighir, das an der R 102 bei Icht liegt. Es ist eine reine Offroad-Strecke bis dahin. Der Blick ins Tal ist grandios, doch zu den Ritzungen muss man klettern. Eine alte verlassenere Kasbah muss ich durchqueren, an einem Wasserkanal entlang balancieren und dann stehen zwei deutsche Mädchen an den gesuchten Steinen. Ich glaube nicht, dass es sich um sehr alte Kunstwerke handelt. Sie werden durch Nichts und Niemanden geschützt. Oder ist das hier noch so wie vor 40 Jahren die griechischen Tempel, die jeder frei besichtigen konnte ohne Hinweistafeln?

Von Ouarzazate nach M‘Hamid

Die große Provinzhauptstadt Ouarzazate beherbergt das ATLAS Filmstudio - hier wurde so mancher Wüstenfilm gedreht.
Dann geht weiter nach Süden im Draatal, das einer 40 km langen Oase  Leben gibt.
Ziel ist die Wüstenstadt M‘Hamid, von der aus die Offroad-Touren zum Erg Chegaga starten.

Unter Palmen leben

Auf der Strecke von Skoura nach Ouarzazate (=Warsasat gesprochen) übernachte ich im Dadestal unter Palmen. Das ist das erste Mal, dass ich so einen schönen und stimmungsvollen Stellplatz finde: in einer Oase mit ihrem Zauber von Leben inmitten einer lebensfeindlichen Welt.

ATLAS-Filmstudios

Hier wurden die großen Holywood-Filme wie „Kleopatra“, „Die Mumie“, „Kingdom of Heaven“, „Moses“, „Ben Hur“, „The Passion“, „Prince of Persia“ und viele mehr gedreht. Immer wenn eine Wüstenlandschaft und eine altertümliche Kulisse gebraucht wird, kommen die Stars und Regisseure hierher. Der ägyptische Tempel wurde in 8 Monaten originalgetreu nachgebaut, die Burg von Jerusalem sogar in mehr als einem Jahr! Es ist wirklich spannend, hinter die Kulissen schauen zu können.

„Königreich der Himmel“ mit Orlando Bloom

Ich fand den Film vor 20 Jahren wahnsinnig beeindruckend - gerade wegen der Burgmauern von Jerusalem. Die Belagerungstürme und Steinschleudern sind auch noch zu sehen! Das Innere von Jerusalem ist verblüffend echt nachgebaut. Die Stockwerke, die Innenhöfe, die Säle und dieVerteidigungsanlagen - alles steht nur auf Stahlgerüsten, die mit riesigen Gipsplatten verkleidet sind. Kratz du an den braunen Mauersteinen, wird es schnell weiß darunter.

Die „Wasserfälle“ von Tizgui vor Agdiz

Nach dem Besuch der Atlas-Studios geht die Fahrt über die Felsenkette des Jebel Sarhro (1600m) ins Draa-Tal, wo normalerweise der Fluss die Palmenhaine bewässern würde, wenn er denn fließen würde. Leider wird das Wasser zurückgehalten und für eine riesige chinesische Solarfabrik abgezweigt, so dass es den Bauern im Tal schlecht geht, da sie auf Pumpen und das Wasser aus den sog. Wasserfällen von Tizgui angewiesen sind.
Die Wasserfälle selber sind ein Paradies!

Hier am Parkplatz zur Schlucht mit den Wasserfällen von Tizgui übernachte ich mit einer gigantischen Aussicht auf die Tafelberge. Oben waagerechte Flächen, dann senkrechte Felsabstürze und wieder Terrassen, die treppenartig nach untern führen.

Blick von der Kette des Jebel Sarhro nach Norden zum Hohen Atlas. Es ist eine schwarze Steinwüste! Hier wächst nichts, aber auch gar nichts!  Wenn es nicht in der Schlucht Wasser gäbe…

Die Palmemhaine von Agdz

Die Kasbah von Tamnougalte

Unten im Tal des Oued Draa beginnt der schönste Teil der Fahrt nach Südosten. Felsenformationen thronen über der Oase, die Palmenhaine säumen den Weg und natürlich gibt es hier viele Kasbahs. Sie waren hier wichtig als Burgen für die Herrscher des Tals. Hier verlief die Karawanenstraße von Marrakesh nach Timbuktu/Mali. 52 Tage dauerte die Strecke. Gehandelt wurde neben Elfenbein und Büchern mit Gold aus dem Süden und Salz aus dem Norden von Mali, wobei das weiße Gold mit echtem Gold aufgewogen wurde. Die Karawanen übernachteten in den Kasbahs im Draatal.
Eine besondere Kasbah ist die von dem Dorf Tamnougalte, auch Kasbah Ait al Caid genannt. Sie ist zwar verfallen und unbewohnt, aber hier wird mir Vieles klar, da ich einen studierten Führer habe, der aus dem Dorf stammt und sowohl die Geschichte der Region als auch die Technik des Burgenbaus erklärt. Nur kurz sei erwähnt, dass alle Lehmbauten aus scheinbar riesigen Quadern errichtet sind. Diese werden in eigenen Formen aus Holz hergestellt .

3-Zonen-Bewirtschaftung

In den Gärten um die Kasbah und das Ksar (Lehmdorf) Tamnougalte wird wie überall am Boden Getreide, Gemüse wie Bohnen und Futter für die Tiere angebaut. Dann folgt die Zone der Obstbäume (Mandeln, Granatäpfel, Orangen) und darüber wölben sich die Wedel der Dattelpalmen. Übrigens lerne ich, dass diese Palme zweihäusig ist. Da die männlichen Palmen für Bauholz abgesägt wurden, fehlt die natürliche Bestäubung und die Menschen müssen zwecks künstlicher Bestäubung auf die Palmen steigen!

Von Zagora  nach M‘Hamid

50 km vor Zagora werde ich von einem Werkstattwagen angehalten. Der Kerl bietet vor der Wüstendurchquerung einen Check meines Wagens inklusive Abschmieren für 10 Dirham an. Na gut, warum nicht? Bei der Werkstatt in Zagora tummeln sich die Overlander und Exkursionsmobile.  Natürlich finden sie immer irgendwas, was nicht in Ordnung ist! BeiBrowny leckt ein Simmering, wo die Kardanwelle ins Differntialgetriebe geht. Muss gemacht werden. Preis? Mit Ersatzteil  für 25,- € plus Arbeit von 2-3 Stunden nach Verhandlung 700 Dirham (=70 €). So günstig würde ich das in Deutschland nie machen lassen können.  Der Austausch des vorderen Simmerings hatte mich bei Toyota Mülheim 400,-€ gekostet.

Straße der Kasbahs

Südlich des Hohen Atlas liegen die fruchtbaren Täler von Oued Dades und Draa. Hier haben sich die Herrscher der Gegend Burgen aus Stampflehm gebaut: die Kasbahs. Heute sind sie zu besichtigen als Museen, zu bewohnen als Hotels oder erleben als verfallene Ruine mit eigenem Charme.

Kasbahs von Skoura

Von Boumalne, wo ich zwei Tage auf einem Campingplatz für 70 Dirham/Tag (7.-€) geblieben war, geht die Fahrt weiter nach Westen Richtung Ouarzazate, der großen Provinzhauptstadt hier im Süden mit 150000 Einwohnern. Die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas begleiten mich ständig  als weißes Band am Horizont. Ich bin gespannt auf die Kasbahs von Skoura. 
Die erste „Ait Ben Moro“ ist in ein Hotel umgewandelt und besitzt einen Pool mit Terasse. Von hier kannst du den Blick auf die riesigen Palmenhaine genießen. Hier könnte wir gut einen Familienurlaub planen.
Die andere „Kasbah Amridhil“ dient als Museum. Sie ist so spektakulär gebaut, dass sie auf den 50 Dirhamschein des Landes abgebildet wurde. 

Erste Off-road-Tour zu den Schluchten des Atlas

Es gibt einen guten Reiseführer für Offroad-Touren von „Pistenkuh“. Ich wähle von 5 Schwierigkeitsgraden erst einmal SG 2 zum Einstieg.
Dann geht‘s zu den Schluchten, die die Flüsse Toudra und Dades ins Atlasgebirge geschnitten haben. Ein touristisches Highlight! Der Begriff Oase gilt hier nicht für einen Ort, sondern für ein ganzes Tal. 

Der Vulkankrater als Fort der Franzosen

50 km schlängelt sich eine steinige Piste durch die Geröllwüste hinter Rissani bis nach Jorf. Das Highlight dieser Tour ist der Jebel Lamdour, von dem man eine grandiose Rundumsicht auf die Landschaft hat. 

Foggaras - eine uralte Technik von Wasserleitungen

Bevor die Strecke wieder auf Asphalt trifft, begegne ich einer langen Reihe von Hügeln. Es handelt sich um den Aushub von Schächten, die früher gegraben wurden, um die Erde aus den waagerechten Stollen zu entsorgen. Bis zu 80 Kilometer lang konnten sich diese Foggaras von den Bergen erstrecken! Das gleiche System kannten die alten Perser vor Jahrtausenden. Hier bei Jorf an der R 702 kann man in die Stollen hineinklettern. Heute sind diese trocken, da das Grundwasser mit Pumpen gefördert wird.

Die Toudra-Schlucht bei Tinghir

Bis zu 300 m steigen die senkrechten Wände der Schlucht empor - an der schmalsten Stelle nicht mal 10 m voneinander entfernt! Das ist mit einem Foto nicht wiederzugeben: die Steilheit, die Massivität, die Gewalt der Natur, die das geschaffen hat! 
Ich fahre bis in den Hohen Atlas hinein, da es auf 2600m Höhe eine Passstrecke geben soll, die in andere Tal, in die Dades-Schlucht führt. Aber es wird kalt dort oben. Ich übernachte am Pass; es wird -3 Grad kalt und am Morgen liegt Schnee auf der Straße. 

So sieht die Passstraße von einer zur anderen Schlucht aus: eine herbe, felsige Landschaft.

Am Nachmittag scheint noch die Sonne. In der Kabine ist es warm, selbst auf 2600 m.

Doch in der Nacht wird es bitterkalt, so dass ich mich unter der Bettdecke warm anziehen muss. Am Morgen ist alles verzuckert.

Die Dades-Schlucht mit den Monkey Paw Mountains

Wir schreiben den 11. März. Von Norden kommend liegt die Schlucht zu Füßen. Es gibt tolle Ausblicke von oben in die „Hufeisenschleife“ des Dades. Dann kommt die engste Stelle, an der man Angst ums Kabinendach hat und last not least eröffnet sich danach die Aussicht auf die sieben Haarnadelkurven ins Tal hinunter.

Am südlichen Ende der Schlucht gibt es eine lustige geologische Formation. Hier verwittert der Sandstein in runden Blöcken, die wiederum aufeinander stehen und so den Eindruck von Händen und Fingern erwecken. Ich gehe auf eigenen Faust mit Maps.Me als Wanderkarte durchs Gelände und komme vom Fluss aus in eine kleine Schlucht, die nach oben führend immer enger wird. Komme ich da irgendwo hin? Ich zweifle stark! Es ist eine touristische Gegend, in der die Einheimischen ihre Führerdienste anbieten. So folge ich den Kletterkünsten einer solchen Gruppe und zahle gerne am Ende 50 Dirham.

 Die Sandwüste Erg Chebbi

Da Regen in Zentralmarokko angesagt ist, zieht es mich in den Südosten des Landes. Hier im Wind- und Wetterschatten des Altas beginnt die Sahara und damit bleibt es hier trocken und vor allem warm! Spektakulär sind die bis zu 200 m hohen Sanddünen von Merzouga, der Erg Chebbi. Hier bleibe ich Anfang März ein paar Tage, genieße die Landschaft, klettere auf die Dünen und bewundere die Sonnenauf- und -untergänge. 

Durch den Mittleren Atlas nach Süden in die Ziz-Schlucht

Südlich von Féz beginnt der Gebirgszug des Mittleren Atlas; die gut ausgebaute Nationalstraße N13 klettert bis auf 1600 Höhenmeter. Hier erlebe ich den ersten Schnee in Marokko! Das Weiß verzaubert die Landschaft - die Last und Schwere des Irdischen flieht, und die Empfindung von Unwirklichkeit und Unberührtheit stellt sich ein. Familien kommen mit ihren Kindern in den „Parc national d‘Ifrane“ und spielen mit ihnen im Schnee - ein magisches Vergnügen!
Dann beginnt es zu hageln, die Straße wird weiß, während sich der Himmel verdunkelt. Zu allem Überfluss spielen Temperatur- und Tankanzeige verrückt, d.h. sie klettern auf Höchststände, was zutiefst besorgniserregend ist. Ich halte an, schaue nach dem Kühlwasser, aber das kocht nicht. Nach einer längeren Pause verschwindet das Symptom. KI ist wirklich schlau: Der Spannungskonstanthalter (Voltage Regulator) hinter dem Tacho habe feine Risse in der Platine und könne die 24 V nicht auf die gewünschten 7 V für die Anzeige herunterregeln. Das sei aber kein ernstes Problem, ich könne damit auch noch nach Deutschland fahren. Welch beruhigende Auskunft!

Ich wollte noch bis in die Ebene südlich des Atlas nach Er Rachidia fahren, schaffe es aber nicht mehr und bleibe in der Ziz-Schlucht hängen. Das stellt sich als unbeabsichtiges Glück heraus, da das Tal der Ziz großartige Ausblicke eröffnet auf die Berge im Himmel, den Fluss in der Tiefe und ich suche mir einen Stellplatz zum Übernachten mittendrin zwischen beiden Polen.

Mein Hausberg ist die 200 m hohe Sanddüne „Lala Lallia Gran Dune“ bei Hassi Labied. Eine Stunde vor  Sonnenuntergang klettere ich - durchaus schweißtreibend - bis zur Spitze und bewundere die sich dahinter ausbreitende Sahara bis nach Algerien.

Einsame Wüste? Nicht hier! Aber es gibt sie…

Natürlich ist das Gebiet um Merzouga eine hoch touristische Gegend. Die Berber, die hier früher ihr Dasein mit Karawanenhandel fristeten, haben umgesattelt auf Cross-Motorräder und Quads, die sie den Touristen zu Bezwinger der Dünen anbieten. Natürlich gehört das Wüstenschiff Dromedar auch zum Spektakel dazu: ein Ritt durch die Wüste gegen 17.00 h bis zum Sonnenuntergang. Das Kunsthandwerk blüht und auch der Mineralien- und Fossilienverkauf. 
Am nächsten Tag fahre ich 30 km weiter nach Süden bis Taouz und versuche selber mein Glück. Und siehe da: an einem Berg mitten am Rand des Tals finde ich Fossilien aus der Saurierzeit; keine Knochen, aber Ammoniten, Donnerkeile und Schnecken. Ich begegne einem Berber, der hier auf eigene Faust nach Schätzen gräbt und diese dann verkauft.

Die Schönheit der Natur

Trotz der Motorräder und Quads, die in den Dünen herumfahren, holt sich die Natur ihre Ursprünglichkeit wieder zurück. Der Wind verweht deren hässliche Spuren im Sand und formt langsam, aber sicher wieder den Rhythmus von Wellen. Dies gelingt ihr im Kleinen, wo der Wind den Sand auftürmt und dahinter ein Tal entsteht, das nur wenige Zentimeter dahinter wieder zum Berg ansteigt, usw. Auch im Großen formt die Düne die exakte S-Kurve bis zur Spitze. Das ist das Geheimnis der Natur: Wenn zwei Elemente - wie hier Festes und Luftiges - sich begegnen, entsteht an deren Oberfläche RHYTHMUS! Die Wellen auf dem Wasser folgen dem gleichen organischen Prinzip, obwohl es sich ja um „unorganische“ Stoffe handelt. 
Betrachtet man das Schauspiel der Natur, keimt die Empfindung von Eleganz, Unberührtheit, Heilung auf. Ja, es werden die Selbstheilungskräfte der Natur sichtbar, mit denen sie die Einschnitte in ihren Boden wieder verwischt und „heilt“ im Sinne von wieder ganz machen.

Am See von Merzouga

Der Qued Ziz bildet diesen See; da es viel geregnet hat, ist er gut gefüllt, während er im Sommer austrocknet. Viele Vögel zieht das Wasser an, Flamingos finden hier Nahrung. Ich sehe Watvögel mit ihren langen Beinen und  säbelartigen Schnäbeln im Flachwasser stochern.

Féz

Am 1. März erreiche ich die Königsstadt Féz, die zwischen dem Rif und dem Mittleren Atlas eingebettet liegt. Eigentlich müsste sie Sultansstadt heißen, da sie ab 1248 n. Chr. Herrschaftssitz der arabischen Meriniden wurde. Der heutige König von Marokko regiert in Rabat. Außerdem befindet sich die älteste Univeristät der Welt in der alte Stadt Féz al Bali.  

Medina, Moscheen und Medressen 

Eine gewaltige Burgmauer umgibt die Altstadt von Féz bis heute. In ihrem Schutz gediehen Handel und Kultur; die Architektur gibt uns bis heute den schönsten Anschauungsunterricht für arabisch-islamische Kunst. Leider ist es nur Muslimen erlaubt, ins Innere der alten Kairaouiyine-Universität zu gelangen, da diese heute in eine Moschee umgewandelt ist. Aber die benachbarte Koranschule, die Madrasa Attarine, kann besichtigt werden. Es ist unglaublich, mit welchem Geschick die feinsten Muster gestaltet, Intarsienarbeiten in farbigen Fliesen gefügt und die Stalaktitendecken geschnitzt wurden. 
Das Gerber-Viertel ist die große Touristen-Atrraktion in der Medina: Hier werden noch wie in alter Zeit die Felle enthaart, in riesigen Bottichen mit Lauge eingeweicht und dann bunt gefärbt. Es stinkt nach Ammoniak! Von den Terrassen aus kann man die fürchterlichen Gerüche einigermaßen aushalten und zudem schön fotografieren. Allerdings muss uns klar sein, dass diese Arbeit extrem gesundheitsschädlich ist!

Der Königspalast

Als Féz al Djdid, das neue Féz, gegründet, liegt die Sultansstadt auf dem Hügel gegenüber der alten Medina. Die sieben Tore sind beeindruckend groß, ich selber kann den Türklopfer nur mit ausgestreckter Hand erreichen! Die Medina ist kleiner, aber dafür gibt es einen Garten, den Jardin Jnane Sbil, in dem ich die Besichtigungstour  in Ruhe ausklingen lassen kann.

Die Kornkammer Marokkos

Auf dem Weg von Chefchaouen nach Süden durchquere ich die Ebene zwischen dem Rif-Gebirge und dem Mittleren Atlas. Ich bin überrascht, wie grün die Landschaft ist: So weit das Auge reicht wächst Getreide auf den Feldern! Kein Wunder, denn die Flüsse aus den Bergen spenden das notwendige Wasser. Jetzt im arabischen Frühling (den anderen gibt es leider  nicht mehr) ist der Weizen schon armhoch geschossen. 

Durchs Rif zur blauen Stadt Chefchaouen

Am 27.2. fahre ich durchs Rif-Gebirge nach Tetouan und Chefchaouen. Da erste, was auffällt, ist die blühende Natur. Es regnet im Küstengebirge mehr als sonstwo in Marokko. Der Nachteil: Die verheerenden Unwetter in Südeuropa haben Anfang Januar  auch hier gewütet. Die Nationalstraße ist mittlerweile frei, aber links und rechts zeugen noch die Erdrutsche von dem Unglück. Kanäle sind weggerissen, Felsbrocken drohen noch am Hang! Es wird noch eine Weile dauern, bis allein die Straßenschäden behoben sein werden.

Kiffen kommt von Kif,

dem marokkanisch-arabischen Wort für Haschisch. Hier im Rif-Gebirge werden jährlich 3000 t Cannabis indica sativa  geerntet und in die Welt geschmuggelt. 70 % davon sollen nach Europa gelangen. Da in Marokko grundsätzlich der Anbau und Besitz von Marihuana verboten ist, sind die Haschischbauern vorsichtig und wollen keine Touristen in ihrem Gebiet sehen. Keine Fotos, die auf Social Media veröffentlich werden, etc. Es geht nicht so zu wie bei den Drogenbaronen in Kolumbien oder Mexiko, trotzdem vermeide ich eine Offroadtour durchs Rif. 
Dafür treffe ich kurz vor Tetouan in einem kleinen Dörfchen einige Schülerinnen, die sich gerne unterhalten wollen. Sie sagen, dass Französisch und Englisch nicht an jeder Schule angeboten werden, was ich kaum glauben kann.

Das ist Maryama und sie war neugierig gewesen, wer da in dem Auto sitzt. Mit Google Translate  entstand eine Unterhaltung, bei der wir beide Dinge erfuhren, die wir vorher nicht wussten.

Auf dem Land wird immer noch mit dem Pferd gepflügt.  Auch an anderen Orten habe ich das beobachten können. Man lebt hier wie in einer anderen Zeit…

Der nickende Sauerklee (Oxalis pre-caprae) blüht hier und lässt die Wiesen gelb leuchten wie bei uns der Löwenzahn im Mai.

Tetouan - an der Mittelmeerküste

Vor 50 Jahren war ich schon einmal hier gewesen; als Backpacker wie man heute sagt. Am Strand las ich den „Herrn der Ringe“ und lebte irgendwie in einer anderen Welt… Nun wollte ich die Stadt noch mal besuchen. Die Medina hat zwei Gesichter. Da ist das touristische Viertel  mit all den Souvenirs, Ölen, Keramiken, Lederwaren zu stolzen Preisen. Da ist aber auch der Souk für die Einheimischen, in dem Gebrauchtwaren angeboten werden: Kleider, Schuhe, Elektrogeräte, Maschinen, Kabel, etc. Ein riesiger Secondhand-Bazar! Zu erschwinglichen Preisen-und alles wird recycled. 
Die schönste  Begegnung hatte ich im „Minimarket Frankfurt“. Ich fotografiere gerade den Laden, da kommt der Besitzer heraus und begrüßt mich in fließendem Hessisch. Er habe 30 Jahre in Frankfurt gearbeitet. Da ich ja in Frankfurt geboren bin und die Stadt aus meiner Studentenzeit gut kenne, unterhalten wir uns angeregt. Wieso er wieder in seine erste Heimat zurückgekehrt sei? Ein langes Thema…
Ich will außerhalb der Stadt übernachten und so zieht es mich noch vor Sonnenuntergang auf die Straße. An einem Stausee bei Zinat bleibe ich stehen.

Chefchaouen

Die blaue Stadt ist natürlich ein Touristen-Magnet. Einer der Gründe für die blaue Farbe liegt in der Vertreibung der Muslime und Juden aus Andalusien zu Beginn der Neuzeit. Die ersten Juden, die sich in Chefchaouen ansiedelten, strichen ihre Häuser blau an, um den nachkommenden Juden ein farbiges  Erkennungs-Zeichen zu geben. Bis heute die Fahne Israels blau und weiß. Dass heute alle Häuser blau angemalt sind, hat eher einen touristischen Zweck. Es sieht einfach gut aus. Gerade die junge Generation findet es schick, sich in den wunderschönen Gassen abzulichten und die Fotos dann zu posten.

Also, die herrliche Lage der Stadt am Fuße der Berge ist gut von der spanischen Mosche aus zu bewundern.

Tanger

Nach fünf Tagen Fahrt bin ich jetzt nicht nur geografisch auf einem anderen Kontinent - ich erwache in einer anderen Kultur, die sich jetzt im Fastenmonat befindet. Das Besondere: der Ramadan wird hier von allen geachtet und gefolgt.Tagsüber wird nirgends gegessen oder getrunken. So hart das ist! 
Das Bild zeigt das Eingangstor Bab Fas in die Medina.

Die Kasbah von Tanger

 Der Burgberg thront über dem Hafen und der Altstadt: Die Kasbah ist der älteste Teil von Tanger. Seit 3600 Jahren ist die Gegend bewohnt, nach den Karthagern kamen die Römer, die Vandalen und ab 707 n. Chr. die muslimischen Herrscher. Nach der  französischen Besetzung von 1912 bis 1956 blieb Tanger das „Tor nach Afrika“ für die konstitutionelle Monarchie Marokkos. In den gut 40 Jahren Protektoratszeit war der Hafen eine zollfreie Zone, weshalb hier sehr gut gehandelt werden konnte! 
Heute ist Tanger eine moderne Stadt. Vor acht Wochen wurde hier der „Africa Cup of Nations“ ausgetragen.
 

Fußball wird überall gespielt, auf den Freizeit-, Sport- und Spielplätzen, sogar in der Medina kicken die Kinder zwischen den Ständen den Ball hin und her. Kein Wunder nach dem Großereignis!

Im Kasbah-Museum mache ich eine Entdeckung, die mich mehr fasziniert als die römischen Mosaike oder die islamisch-geometrischen Kunstwerke. Eine Bananenstaude steht im Garten und zeigt ihre Blüten. Das hüllende Blatt klappt nach außen weg und offenbart dabei seine rote Farbe!

Das Museum von Ibn Battuta

Von 1325 bis 1354 war der große Gelehrte und Weltreisende von Tanger aus, seiner Heimatstadt, unterwegs. Also 29 Jahre lang reiste er 120000 km kreuz und quer bis nach China. In Medina und Mekka studierte er, zog über die Seidenstraße nach Samarkand, war in Indien als Richter tätig und zog als Botschafter über Sumatra und Java nach China. Auch Afrika erkundete er: So fuhr er per Schiff bis Sansibar und zog auf den Karawanenrouten nach Timbuktu. Seine spannenden Berichte werden noch heute von Historikern und Ethnologen geschätzt.

Das ist der Campingplatz Miramonte in Tanger. Es ist noch nicht viel los, aber die meisten Camper kommen aus Frankreich. Für die Franzosen ist es natürlich leicht in Marokko, sich sprachlich  zurechtzufinden, da Französisch d i e Verkehrssprache (aber keine Amtssprache) ist. Alle zweisprachigen Schilder sind eben auch in Französisch zu lesen.

Die ältere Generation trägt in der kalten Jahreszeit gerne die aus Wolle gewebten Mäntel der Berber. Die spitze Kapuze sieht aus wie eine Zwergenmütze, schützt aber bestens gegen Sonne, Regen und Kälte. Der jetzige König Mohammed VI. (M Siss) trägt eine weiße Djschellaba auch zu festlichen Anlässen.

In den Geschäften der Medina hängen prachtvolle Kleider für Frauen in allen Farben und sind mit Goldbrokat bestickt. Diese schönen Kaftane sind wohl nur für besondere Anlässe…

Frühling

In Südeuropa blühen Ende Februar bereits die Kirschbäume, die Bienen summen herum und suchen den ersten Honig. Und das alles 1000 km südlich vom Ruhrgebiet. Die Eifel war am 20.2. noch tief verschneit, so dass ich hinter Nimes wie in einer anderen Welt aufwache. Menschen laufen in T-Shirts herum, die Sonne strahlt vom blauen Himmel und erwärmt die Luft auf 20 Grad!
(Tipp: einsamer Stellplatz an der Vidourle zwischen Villetelle und Aubais am Plage)

2500 km bis nach Gibraltar

Mit einem schnellen Pkw ließe sich diese Strecke in drei Tagen bewältigen. Aber mit dem alten Overlander dauert die Fahrt fünf Tage - Durchschnittsgeschwindigkeit 80 km/h, bergauf nur 60, dafür bergab 100. Frankreich kostet viel wegen der Mautgebühren und  hoher Spritpreise. Dafür zeigt sich Spanien als autofreundliches Land: keine Autobahnmaut (nur ganz im Süden) und billigerem Diesel als bei uns. 

Die Landschaften zeigen so verschiedene Gesichter, so dass das Fahren nicht langweilig wird. Die letzten 150 km in Südfrankreich locken mich die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen zu sich. In Spanien ist das Mittelmeer nie weit von der Autobahn entfernt; ich übernachte am Strand bei Perello-Mar: Der Horizont weitet sich unendlich und der Sonnenuntergang lädt zum Träumen ein… Am Morgen Weiterfahrt: Die Orangenplantagen geben der Küste den Namen Costa del Azahar (=Orangenblüte). Dann wird es gebirgig, auf jedem Hügel ragt ein alter Turm empor, und die Olivenplantagen an den Hängen schimmern silbrig. An einem dieser Torre übernachte ich: Andalusien liegt mir zu Füßen ;-) Ein prächtiger Rundumblick bei Lorca (vom Torre de Torrecilla/ Ausfahrt 640 der A7).

Von Algeciras nach Tanger

Abends erreiche ich Algeciras und erfahre, dass ich heute noch mit einer Fähre nach Tanger übersetzen könne. So habe ich keine Zeit, den immer wieder erwähnten Carlos zu suchen, der die besten Preise mache. Ich wähle den auch im Internet angebotenen Tarif für Hin- und Rückfahrt von 350,-€. 
Nach anderthalb Stunden sind wir auf afrikanischen Boden. Die Einreisekontrollen sind langwierig: alle Autos werden geröngt. Wie lange muss das in der Hauptsaison dauern? Der Zoll nimmt es auch sehr genau und checkt alle Koffer und Gepäckstücke. Das Visum on arrival geht schnell, die Einfuhrbescheinigung fürs Autos leider nicht. 
Am nächsten Morgen besorge ich noch die Haftpflichtversicherung für Browny (200,-€/3 Monate). Der nette Agent verkauft mir auch eine SIM-Karte von Maroc Telecom (40GB/Monat für 27,-€), was voll und ganz in Ordnung ist.

Auspuff durchgebrochen!

Die Karosserie ist eben 40 Jahre alt. Und ich glaube, es ist noch der erste Auspuff drin? Löcher gab es immer wieder. Nicht zuletzt im Himalya, wo der schwarze Dieselruß durch die Ritzen in die Kabine drang. Auch der DEKRA-Ingenieur fand im Dezember ´25 neue Löcher. Jetzt also, 50 Kilometer vor Algeciras, kracht es und Browny röhrt wie ein Motorrad im Überholmanöver: Der Auspuff ist unterm Fahrerhaus gebrochen. Notdürftig flicke ihn mit einer Blechbüchse und einer Rohrschelle. So komme ich wenigstens ohne aufzufallen auf die Fähre. In Tanger muss ich eine Werkstatt suchen.
Natürlich suchst du keine Vertragswerkstatt -Toyota würde keinen Finger krumm machen! Also musst du suchen. Die erste Werkstatt repariert zwar, schweißt aber keinen Auspuff. Der Chef kennt natürlich jemanden, der das kann und macht. Also zeigt mir der Stift auf dem Motorrad den Weg durch Tanger zur richtigen Werkstatt. Der junge Mechaniker dort spricht kein Französisch oder Englisch, versteht aber genau, worum es geht. Er schweißt den Auspuff in genialer Art zusammen und will am Ende nur 100 Marokkanische Dirham (10 €) dafür haben - unfassbar! Ich gebe ihm gerne dass Doppelte.

Nur mit der hohen Kunst des Autogen-Schweißens kann man hier weiterkommen. Zuerst werden beide Rohrteile zusammen geheftet, provisorisch. Aber auf der Oberseite des Rohres ist kein Platz zum Schweißen. Was tun?

Ein Fenster wird ins Rohr geschnitten, um von der Innenseite die beiden Teile zu verbinden! Genial! Anschließend wird das Fenster mit einer Blechplatte überdeckt und an deren Rändern mit dem Rohr zusammengeschweißt. 

Rückblick 2025

Das Jahr 2025 musste ich zu Hause verbringen. Zurück von Nordamerika zu Weihnachten ‘24 ereilte mich die Diagnose muskelinvasiver Blasenkrebs … also musste gehandelt werden: Exzision von Blase und Prostata, Versuch der Anlage einer Neoblase scheiterte dramatisch. Während einer Not-OP wurde mir ein sog. Ileum-Conduit, ein Urostoma, angelegt, mit dem ich nun leben muss. 
Die gute Nachricht: ich lebe, ich lebe krebsfrei und ich lebe dem Himmel, der Erde und den Menschen zugewandt!

Schöne Momente in 2025

Es war nicht alles traurig und schlecht im letzten Jahr. Nach meiner Genesung im ersten Halbjahr konnte ich schon wieder die ersten Reisen unternehmen. Stets mit meiner Frau Silvia an der Seite. So verbrachten wir die Sommerferien auf Madeira, die Herbstferien auf Korfu und wir besuchten die kleine Familie von unserem Sohn Marvin in Brüssel. 

“Der Sonne entgegen”
- Teil III beginnt im Februar 2026 mit Marokko.
- Teil II beinhaltet die Reise 2024 nach Kanada, Alaska undWestküste USA,
- Teil I die Reise nach Asien 2023 nach Iran, Pakistan, Indien, Nepal, Tibet,  China, Laos, Thailand und Malaysia.